2 Orientierung und Annäherung

 

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Zweite Phase: Orientierung und Annäherung

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Klarheit über den Lernprozess vermitteln

Die Lerner*innen sollen die an sie gestellten Anforderungen konstruktiv bewältigen können, ihren Lernprozess selbst in die Hand nehmen und unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen selbstbestimmt lernen können. Daher soll für die Lerner*innen zu Beginn der geplante Lernprozess durchschaubar gemacht werden.
Die Agenda (= Klarheit über den Verlauf) verdeutlicht den Lerner*innen die vorgesehenen Arbeitsphasen und den zeitlichen Ablauf des Lernprozesses in den wesentlichen Grundzügen; sie können dadurch klare Erwartungen aufbauen, was intrinsisch motivierend wirkt und Orientierung auf dem Lernweg vermittelt.
Der Advance Organizer (= Klarheit über die Wissensinhalte) schafft inhaltliche Klarheit durch die thematische Vernetzung des bereichsspezifischen Vorwissens der Lerner*innen mit den zentralen Begrifflichkeiten und Inhalten des Lernthemas. Die Bekanntgabe der Wissensinhalt im Vorhinein wirkt motivierend und gibt Sicherheit im weiteren Lernprozess.
Die Bekanntgabe der Lehrgangsprinzipien (= Klarheit über die Absichten) durch die Lernbegleiter*innen gibt den Lerner*innen die Möglichkeit einzuschätzen, unter welchen „Vorzeichen“ und mit welchen Einstellungen und Haltungen die Lernbegleiter*innen in den gemeinsamen Lernprozess eintreten. Es ist im Sinne des Aufbaus einer tragfähigen Beziehung für die Lernenden bedeutsam, ob sie Bescheid darüber wissen oder nicht, wie es die Lernbegleiter*innen mit ihnen meinen und was ihre Handlungsmotive sind. Die Lehrgangsprinzipien des Autors sind: Ergebnissicherung, Humor, Lernsensationen, Methodenwechsel, Planungsflexibilität, Prozessvollendung, Selbstzentrierung, Wissenstransparenz, Wohlbefinden und Gender Awareness: achten auf „Geschlecht“ als Kategorie, die Lernsituationen maßgeblich steuert und achtsam umgehen mit pädagogischen Ungerechtigkeitspotentialen, die durch hegemoniale Geschlechterbilder entstehen.  

Interessen abfragen

Nachhaltiges Lernen geschieht aus innerer Motivation heraus, wenn sich die Lerner*innen an das Lernthema individuell annähern dürfen. Dies unterstützt selbstgesteuertes und selbstbestimmtes Handeln beim weiteren Lernen. Grundvoraussetzung dafür ist, die Lernthemen an den Interessen der Lerner*innen zu orientieren.
Durch Moderationstechniken wie ABC-Liste, 4-Ecken-Gespräch, Falling Leaves, Kooperative Jahresplanung, Fragelandschaft oder Stummer Dialog kann man die Interessen der Lerner*innen abfragen; meist liegt der richtige Zeitpunkt dafür nach der Vorstellung des Advance Organizer, da durch die zusammenhängende Bekanntgabe der Lerninhalte im Vorhinein in vielen Fällen Fragen erst entstehen.

Vorwissen einbeziehen

In der Annäherungsphase wird das Vorwissen der Lernenden abgefragt und die Interessen der Lernenden erhoben. Das Wissen, über das jede/r einzelne Lernende verfügt, ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für weiteres Lernen. Es gelingt umso erfolgreicher, je mehr inhaltsbezogenes Vorwissen zur Verfügung steht. Das menschliche Gehirn arbeitet in gewissem Sinne paradox: Da, wo schon viel vorhanden ist, kann noch viel dazukommen, da, wo noch wenig vorhanden ist, kommt eher wenig hinzu. Nicht die kognitiven Fähigkeiten entscheiden in erster Linie über Lernerfolg, sondern die vorhandenen Vorkenntnisse. Nachhaltiges Lernen basiert auf dem Vorwissen, auf innerer Motivation, auf selbstgesteuertem und selbstbestimmtem Handeln und auf den Interessen der Lernenden.
Die bereichsspezifischen Vorkenntnisse hinsichtlich des Lernthemas sind bei den einzelnen Lerner*innen meist in ganz unterschiedlichem Maße vorhanden. Lerner*innen mit guten Vorkenntnissen nähern sich einem Lernthema unbefangener an als Lerner*innen mit großen Vorkenntnis-Lücken. Neben anderen Methoden eignen sich besonders die Schnittkreise (Bochmann & Kirchmann, 2006, S. 48), Ampelkärtchen, Vorwissenserhebung, Vorwissensspirale (Biermann, 2007, S. 34),  Sortieraufgabe (Wahl, 2005, S. 186) oder das Placemat (Brüning & Saum 2006, S. 25), um einerseits die unterschiedlichen Vorkenntnisse für die Lernbegleiter*innen sichtbar zu machen und andererseits aber eventuell im Austausch der Lerner*innen untereinander Vorkenntnislücken schon zu Beginn des Lernprozesses zu schließen.